Sabine Kasan

Ich male immer unmittelbar vor dem Motiv, ob es nun Stilleben oder Landschaften sind. Bei den Stillleben unterscheide ich zwischen Hundestillleben und Kulturstillleben. Ein Hundestillleben kann so entstehen: An einem leicht dunstigen Frühherbstmorgen gehe ich mit meiner Hündin Mara durch den Wald und entdecke Pilzkreise. Ich fange an, einige Pilze einzusammeln und über ein Pilzbild nachzudenken, während Mara im Gebüsch Gerüche erkundet. Ich sammle noch einige trockene Blätter dazu, damit die Pilze in dem stets von mir mitgeführten Requistensammelrucksack nicht matschen. Noch während des Spaziergangs überlege ich mir die Komposition des Bildes: Ein Spankörbchen wäre eine schöne Ergänzung, denke ich. Auf dem Markt am S-Bahnhof Mexikoplatz finde ich ein solches. Später im Atelier arrangiere ich alles, probiere verschiedene Unterlagen aus, nehme Leinwandformate aus dem Lager – bis schließlich die passende Komposition gefunden ist. Kulturstillleben entwickeln sich aus den Eindrücken, die ich bei gesellschaftlichen Ereignissen wie Bällen und Empfängen, in Restaurants oder Speiseetagen der Luxuskaufhäuser gewinne. Dort sehe ich, wie Teller und Schüsseln, Gläser und Servietten arrangiert sind und abgegessene Reste liegen bleiben. Die für meine Bilder notwendige Software, nämlich Brot, Käse, Früchte, Schokolade, Fische etc., kaufe ich mir für jedes meiner Bilder neu. Von der Hardware, also Teller, Tafelsilber, Servietten, Sektkühler, habe ich einiges im Atelier vorrätig.

• 1955 in Oberhausen geboren • 1976-1982 Hochschule der Künste, Berlin , Meisterschülerin bei Prof. Koberling, Mitglied im „Künstlersonderbund“ • 1985 erste Einzelausstellung in Mühlheim an der Ruhr „In der Wolfsburg“ • seither zahlreiche Einzelausstellungen in Deutschland und den USA